Changing Elements
NÄCHSTER GIG:
27. Juni 2015
Elbhangfest, Grottenwirtschaft

Klein Upahler Sommerfest 2010

 

Etwas ganz besonders Tolles sollte das Sommerfest in der Müllerschen Residenz in Klein Upahl werden. Diese kleine, 296 Einwohner zählende Gemeinde befindet sich im Landkreis Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern, was eine recht lange Anreise zur Folge hatte, aber der Reihe nach.

Morgens früh um 8.00 Uhr hieß es Equipment verladen in Radeberg. Jan und Inge hatten sich bereits am Freitag auf den Weg gemacht, so dass Ed und ich uns im Proberaum an die Arbeit machten. Eigentlich, so der Plan, wollten wir etwa gegen neun Richtung Bühne aufbrechen, aber der Herr Drummer traf dann doch noch gegen 9.15 Uhr ein. Inzwischen hatte ich sein Drumkit abgebaut. Inzwischen hab ich das schon öfter getan als er und kann das daher bestimmt auch zehnmal so gut wie unser Knüppelschwinger.

Nun denn, gegen zehn war alles verstaut, umgeräumt, erneut verstaut und fahrbereit. Wir hielten noch kurz beim Fred, um den Dacia zurückzugeben und den Fahrtentrunk zu verstauen, bevor es bei ziemlich miesem Wetter losging.

Nach wenigen Minuten ereilte mich lautstark Krätzschäs Zorn über die von Schnubbi und Kurti gewählte Fahrstrecke, weil der Drummer so erst recht spät in den Genuss kam, uns mit seinem unnachahmlichen Fahrstil zu begeistern, was wiederum nicht jeder teilen konnte. Gern erinnere ich mich an ein blondes Geschöpf in einem schwarzen BMW, dass sich mit unserem Drummertier auf der Stadtautobahn in Berlin anlegen musste und diesen fahrerischen Disput kläglich verlor. Vielleicht hatte auch Krätzschä Pech, denn unter Umständen wurden in einem Tunnel von fiesen Überwachungsorganen Fotos geschossen und möglicherweise existiert jetzt auch ein Porträt in klassischem Schwarzweiß vom fliegenden VW Bus, den ein verbissener Schlagzeuger steuert.

Nach schier unendlicher Fahrt, die uns durch diverse Staus und chronischen Getränkemangel ziemlich vermiest wurde, erreichten wir doch noch den Ort, der an diesem Abend noch so vielen Menschen Freude machen sollte. Bei nach wie vor beschissenem Wetter stellten wir das Equipment unter einem Pavillon sicher. Da jener zu klein für fünf aufbauende Menschen war, ordneten wir unsere Aufbautätigkeiten, und während der arme Ed verkabelte, was das Zeug hielt, vergnügte sich der Rest der Band beim Biertrinken. Wobei ich mich auch gut an die Szene mit dem Griff und dem Schraubendreher erinnern kann... Griff ab-Griff dran-Griff ab... Tolles Spiel! 

Nachdem auch der Aufbau erledigt war, langweilten wir den Gastgeber mit dem Soundcheck, bevor die Gäste des Festes eintrafen. Nach der Schlacht am kalten Buffet begannen wir unseren Auftritt so, wie wir eigentlich jeden Auftritt beginnen, mit "Highway Star". Der Sound schien an diesem Abend besser als noch zum Elbhangfest, wobei ich mich auch diesmal schlecht hörte und daher nach Krätzschäs Aussage ziemlich Dampf in so manchem Song machte. Vielleicht hatte er diesen Eindruck auch nur, da so ziemlich jede Box auf ihn abstrahlte und sein Rückgrat wohl sehr zum Schwingen anregte.

Bereits beim zweiten Song hatten wir das Publikum auf unsere Seite gezogen, so dass dieser Auftritt sich wohl zu dem geilsten entwickelte, den ich je gespielt hatte. Die Band spielte das Set für meinen Geschmack sehr überzeugend und ich feuerte die Leute an, als hätte ich beim Wurm gegen Hahn Kampf auf den Wurm gesetzt und fürchtete, nun alles zu verlieren. Was den Gig aber zusätzlich noch anheizte und sehr bereicherte, war Caros Spiel mit dem Feuer im letzten Song.

Klein Upahl war so aus dem Häuschen, dass man von noch vor dem Verklingen des letzten Tones schon Zugabe forderte, dem wir brav nachkamen. Auf "Black Night" folgte eine geile Liveimprovisation, die sich mit der sehr ansehnlichen Feuershow von Caro optimal zu ergänzen schien. In diesem Moment war ich sehr froh, mal nicht singen zu müssen, so dass ich Caros Feuerkünste in aller Ruhe auf mich wirken lassen konnte. Daraufhin folgte "Smoke on the water" und als das Dorf immer noch nicht genug hatte, ließ ich mich sogar auf einen zweiten Durchgang von "Child in Time" ein.

Zu solch Größenwahn würde ich mich sonst nie überreden lassen, aber angesichts der Tatsache, dass die Leute so gut drauf waren, dass man hätte denken können, Klein Upahl sei Mega Upahl an diesem Abend, ließ selbst ich mir diesen Song ein zweites Mal durch die Kehle röcheln.

Nach dem Gig ließen wir uns auf einer Bierbank nieder und genossen den Abend, der noch nicht ganz zu Ende schien. Plötzlich fanden wir uns auf der Bühne wieder und gaben "Knockin´ on heaven´s door" zum Besten, obwohl wir dieses Stück vorher noch nie zusammen gespielt hatten. Und um dem noch die Krone aufzusetzen, zockte wir noch "Stairway to heaven" in einer unendlich langen, aber für unser erstes Mal gar nicht so schlechten Version.

Naja, schlussendlich spreche ich wohl auch im Namen der Band, wenn ich sage, dass Klein Upahl etwas so Geiles noch nie erlebt hat, obwohl der Wettergott an diesem Tage schon ein ziemlicher Sack war.

Ich hab mich über dieses akustische Lachsbrötchen jedenfalls tierisch gefreut, und wenn Klein Upahl nicht plötzlich vom Schlager heimgesucht wird, dann spielen wir im nächsten Sommer vielleicht wieder dort. Wer weiß, welche Dimensionen das noch annehmen wird. Auch Wacken war lange Zeit nur eine kleine Gemeinde im Kreis Steinburg, Schleswig-Holstein. 

Axecuter

 

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