Changing Elements
NÄCHSTER GIG:
27. Juni 2015
Elbhangfest, Grottenwirtschaft

September 10 - Kulturhaus Sonne

 

Axecuter´s comment

Spektakuläres sollte uns auch dieses Jahr in Schkeuditz in der Sonne erwarten, auch wenn es in eine vollkommen andere Richtung ging, als wir gedacht hatten, aber von vorn:

Da es unser eigentliches Ziel war, ziemlich genau 11:00 Uhr in der Sonne aufzuschlagen, war 8:00 als Treffzeit am Proberaum angesagt, zumindest für Ed, Stefan und mich. Gegen 8:45 bot sich uns gewohnte Situation. Alle waren da, außer der Drummer. So blieb der Abbau des Equipments wieder an uns beiden hängen, während Stefan sich gemütlich nochmal rumdrehte und eine Runde länger grunzte als wir. Etwa 9:45 Uhr kam dann auch der Drummer hektisch angeschnippst, so dass wir mit dem Verladen der Technik beginnen konnten. Kurz zuvor hatte Ed noch den Kampf gegen den alten Drei-Wege-Schalter seiner Strat für sich entscheiden können - mehr Gewalt hilft eben manchmal mehr - und fix noch den neuen Schalter eingelötet.

Irgendwann, für unser aller Begriffe zu spät, brachen wir dann nach Schkeuditz auf. Jan und Inge hatten zwischendrin ihr Equipment separat verladen und fuhren uns voraus, damit wenigstens ein Teil der Band pünktlich sein konnte. Auf der Autobahn gab´s wieder lustige Blechknäuel in der Gegenrichtung zu bestaunen. Und während wir noch über Blechhaufen und unvorsichtige Verkehrsteilnehmer berieten, fuhren wir selbst in einen Stau.

Dieser entwickelte sich aber nicht wegen eines Unfalls, sondern weil irgeindein Honk entschieden hatte, Samstag vormittag in einer Baustelle Reparaturarbeiten irgendeiner Art vorzunehmen, so dass sich alles einspurig an diesem orangenen Hindernis vorbeiquälte. Ein kleiner Zwischenstop beim großen gelben M ließ sich auch nicht vermeiden, da Stefan und ich strullen mussten. Außerdem hatte der Gitarrero Knast, weil Frühstück zu Hause definitiv Mist ist, könnte man zumindest vermuten. Auch den Drummer quälte Hunger, aber wer so lange pennt, hat für´s Mampfen eben keine Zeit mehr. 

Inge: Als Jan und ich gegen 11 und mit großen Erwartungen (nach den begeisterten Eindrücken vom Auftritt daselbst im letzten Jahr) auf dem menschenleeren Markt zu Schkeuditz ankamen, war im Kulturhaus noch niemand anwesend. Wir sahen uns neugierig nach Werbung für unseren Gig um, entdeckten aber nur dieses Plakat. Hmm... "Chöre aus der Region" - das war ein Etikett, das nicht wirklich auf uns passte. Offenbar waren wir der Überraschungsact eines Chortreffens - zu unserer eigenen Überraschung!

 

 

Sei´s drum. Etwa 11:30 landeten wir vor der Sonne und begannen sogleich mit dem Ausladen und Aufbau. Mit der Hektik, die wir verbreiteten, schienen wir die Proben für die Begleitmusiker der Chöre ein wenig zu stören, aber lautlos und von selbst baut sich die Technik nun mal nicht auf. Zumal Inge und Jan bestätigten, dass vor elf sowieso kein Zugang zum Objekt offen war. Mitten im Wahn, Stefan und ich hatten zwischenzeitlich noch ein zweites Drumkit für den Chor herbeigeschafft, musste wir feststellen, dass die Techniker fehlten und unseren Bemühungen, zeitlich gegenüber dem Rest ein wenig aufzuholen, ein jähes Ende bereiteten.

Etwa 12:30 trafen besagte Techniker dann ein und begannen ihr Tun, während wir uns mit dem Vorwurf, zu spät angetreten zu sein, konfrontiert sahen. Schlussendlich wurden wir mit Aufbau und Soundcheck natürlich nicht fertig, als gegen 15:00 die Chöre mit ihrem Programm loslegten und sich damit penibel nach dem Zeitplan richteten.

Da die Veranstaltung sonst sehr gut organisiert schien und die Chöre sich alle Mühe gaben, die Gunst des Publikums zu gewinnen, gelang ihnen dies wohl beim geneigten Auditorium. Uns überzeugten die Sänger und Sängerinnen eher weniger, was wohl zumeist unserem Geschmack geschuldet ist. Eine Ausnahme bildete, zumindest meiner Meinung nach, der artKapella-Chor, da mir das Songmaterial wesentlich peppiger vorkam, zumal Kretzschä am Schlagzeug für dessen fetzige Untermalung sorgte und mir diese Darbietung daher am besten gefiel.

Inge: Obwohl das Durchschnittsalter der Chorsänger ziemlich genau dem von Rock-Heroen wie Jon Lord oder Mr. Blackmore entsprach, ließen die Musikauswahl der Chöre und die Art ihrer Darbietung nichts Gutes ahnen, was das Interesse an unserer Art von Musik betraf. Zumal die zusätzlich im Saal erschienenen Zuhörer offensichtlich eher Eltern und Verwandte der (betagteren) Chorsänger als harte Rockfans zu sein schienen... 

Im unmittelbaren Anschluss an die Aufführungen der Chöre sollte unser Auftritt folgen. Inge: Gegen 17:00! Das war nicht so ausgemacht - aber eigentlich war nichts so richtig ausgemacht an diesem Nachmittag... Da der Soundcheck noch nicht durchgeführt war und diverse Kabel noch nicht verlegt waren, musste sich das Publikum zunächst mit Musik aus der Konservendose begnügen, was zu dessen Erheiterung wenig beitrug. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass die gespannte Erwartung des Auditoriums langsam in wütende Ungeduld umschlug, was einen Teil der Gäste dazu veranlasste, protestierend das Weite zu suchen. Schuldig an diesem Umstand fühlten wir uns jedenfalls nicht. Inge: Na ja... Vielleicht machte der Soundcheck manchen Leuten erst klar, was sie erwartet, wenn sie dableiben...

Nach erfolgreichem Soundcheck folgten schwierige Verhandlungen mit dem Veranstalter über den Ablauf unseres Gigs. Von uns wurde eine einstündige Pause verlangt, was zunächst auf wenig Gegenliebe stieß. Ich meine, wenn der Marathonläufer zur Halbzeit eine Stunde Pause macht, holt er sich beim Weiterlaufen bestenfalls eine Zerrung im Schritt, wenn er sich nicht eine Stunde warmhält. Ähnlich fühlten wir uns, als die Forderung nach Pause an uns herangetragen wurde. Schlussendlich ließen wir uns doch darauf ein, um weiterem Streß, den hatten wir bis zu diesem Zeitpunkt wahrlich genug, zu entrinnen. Um nicht die letzten noch verbliebenen Gäste zu vergraulen, begannen wir den Auftritt, noch bevor unser Anhang komplett erschienen war.

  

Der erste Teil des Sets verlief recht durchschnittlich. Wir spielten und sangen wohl noch mit ein bisschen Wut im Bauch, was sich just auf unsere spielerischen Qualitäten auswirkte, so dass der Gig diesbezüglich recht weit hinter den vorangegangenen zurückblieb.

Die Krönung dieses eher vermaledeiten Tages erfolgte aber in der Pause unseres Gigs. Schon dass lauthals die Pause gefordert wurde, zeugt meiner Meinung nach von mangelndem Respekt vor dem Künstler selbst. Als uns aber mangelnde Kompromissbereitschaft vorgeworfen wurde, weil wir dem Publikum zu laut spielten und die Zuhörerschaft gern andere Musik von uns gehört hätte, was wir logischerweise vehement ablehnten, kamen mir echte Zweifel daran, ob wir hier richtig sind oder nicht. Wenn ich Metallica fragen würde, ob die mir einen Song von Roland Kaiser spielen, dann wäre ich von denen wohl als Ungläubiger gelyncht worden. Boris Becker war auch Tennisspieler und kein Eiskunstläufer. Diesen Geistesblitz aus dem Publikum hat von uns bis heute keiner nachvollziehen können. Inge: Wir sind halt bloß 'ne kleine Garagenband. Aber selbst wenn die Chorleitung Metallica engagiert hätte, wäre es denen kaum anders ergangen als uns...

Halbwegs erklärbar blieb der Wunsch der Zuhörer nach anderer Musik nur deshalb, weil ein Teil von ihnen in der Pause zu Schlagerremixen abging, als gäbe es sonst kein Vergnügen im Leben. Ich war jedenfalls kurz vorm Ohrenkrebs und dachte, denen Rock´n´Roll beizubringen ist mit Sicherheit so aussichtsreich, wie einen Querschnittsgelähmten zum 110m-Hürden-Star zu machen. Ich fand die Pause jedenfalls so spannend wie Schach in Zeitlupe. 

Bei einem Teil der Band schlug nun die Spiellust in halbe Aggression um, so dass wir es im zweiten Teil nochmal krachen ließen - ohne Rücksicht auf Verluste. Zu guter Letzt blieben uns nur noch die Menschen treu, die tatsächlich Gefallen an unserer Musik fanden, so dass im zweiten Teil unserer Performance auch bei uns der Spass langsam zurückkehrte. Vielleicht half auch das Bier dabei, so genau weiß ich das nicht mehr.

Unterm Strich bleibt mir, dem Veranstalter für die Möglichkeit, die Sonne erneut rocken zu dürfen, zu danken. Auch wenn dieser Gigtalk das nicht vermuten lässt, auch für uns waren die Erfahrungen, die wir am 18.09.2010 sammeln durften, wertvoll, so dass der Auftritt letztenendes nicht ganz nutzlos war.

Inge: War er nicht. Mir hat's trotz allem Spaß gemacht (auch ohne Bier), und wenn alles geklappt hat, haben wir jetzt ein paar ansehnliche Live-Videos. Immerhin waren wir lauter als das Publikum.

Dass die Organisation im Ganzen fehlerbehaftet war, möchte ich nicht nur dem Veranstalter anlasten. Auch wir als Band hätten uns um einen genauen Zeitplan und Absprachen, die uns nötig erschienen, im Vorfeld kümmern müssen. Daher müssen wohl auch wir unsere Häupter mit Asche bestreuen.

Mit dem Fazit: "Wieder was gelernt" möchte ich es auch bewenden lassen und verabschiede mich mit besten Grüßen.

The Axecuter

 

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